In der Raumecke des Ateliers hat ein weibliches Aktmodell eine ausdrucksstarke Haltung eingenommen: Den Kopf mit langem schwarzen Haar zurückgeworfen, starrt die Frau mit weit aufgerissenen Augen nach oben. Der ausgestreckte rechte Arm mit theatralisch abgewinkelter Hand und gespreizten Fingern weist in die gleiche Richtung. Den linken Arm verbirgt die Frau hinter ihrem Körper. Ihr rechtes Bein steht abgewinkelt auf einem erhöhten und von Kissen und Tuch verdecktem Möbel.
Eine groteske Parallele erhält das Aktmodell mit der vor ihr liegenden Gliederpuppe. Diese ist in eine sehr ähnliche Körperhaltung gebracht. Doch wirkt sie fast wie ein toter menschlicher Körper. Ihre Oberfläche mutet wie ausgebleichte, stellenweise aufgeplatzte Haut an. Der fehlende Kopf verstärkt den schauerlichen Eindruck. Ein blauer Schleier verbindet die leblose Puppe mit der lebendigen Frau. Mit den Malutensilien sind sie zu einem Stillleben arrangiert.
Die Spannung zwischen der Puppe, an der die Zeit eifrig genagt hat, und dem lebendigen Aktmodell in seiner Fleischlichkeit veranschaulicht die allem innewohnende Vergänglichkeit. So lässt Otto Dix in seinem »Stilleben im Atelier« einmal mehr das Lebendige und das Tote in unmittelbarer Nähe aufeinandertreffen. Beide dienen ihm in gleicher Weise als Bildmaterial.
Werkdaten
- Inventarnummer: O-0990
- Material / Technik: Oil on canvas
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / Foto: Kunstmuseum Stuttgart