Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird Willi Baumeister bereits im April an der Städelschule in Frankfurt entlassen. Jahre der Zurückgezogenheit und Isolation folgen, in denen er jedoch seine künstlerische Tätigkeit weiterverfolgt. Das herbeigesehnte Ende des Zweiten Weltkriegs feiert Baumeister in seinen Bildern. In »Rote Landschaft« stehen vor einer an Meer und Strand erinnernden Landschaftskulisse drei aus unterschiedlichen, meist geometrischen Formen aufgebaute Figuren. Die Verwendung von Kunstharz und Spachtelkitt verleiht der Oberfläche eine stark haptische Struktur, die zudem die Figuren hervorhebt. Nur wenige Elemente überschneiden sich. Die Figuren erscheinen unbeschwert und fröhlich.
Welche bedeutende Rolle die Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg als Möglichkeit der Aussöhnung spielt, zeigt sich insbesondere bei Willi Baumeister. Einerseits knüpft er schnell wieder an seine freundschaftlichen Verbindungen zu Kunstkreisen gerade in Frankreich an. Andererseits wird zeitnah die internationale Ausstellungstätigkeit wieder aufgenommen. Bereits 1947 findet in Bern die erste Übersichtsausstellung deutscher Kunst im Ausland statt, auf der auch Willi Baumeister vertreten ist. Im folgenden Jahr erhält die Kunsthalle Karlsruhe als Geste der Aussöhnung vom Leiter der »Division de l'Éducation Publique« in der französischen Besatzungszone eine Mappe mit 90 druckgrafischen Werken französischer Künstler. Als Gegengeschenk wird das Gemälde »Jour heureux« von Willi Baumeister überreicht, das sich heute im Centre Pompidou befindet. Abstraktion, so zeigt sich, ist eine universell verständliche Sprache.
Werkdaten
- Inventarnummer: BB-1403
- Material / Technik: Oil with synthetic resin and putty on cardboard
- Creditline:
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / Foto: Archiv Baumeister im Kunstmuseum Stuttgart, Stuttgart