1932 mündet eine Vielzahl zeichnerischer und malerischer Vorstudien in Rolf Neschs Grafikfolge »Hamburger Brücken«. Jedes Motiv des insgesamt 20 Blätter umfassenden Zyklus steht als einzelnes Werk für sich. Nesch erschafft weder ein naturgetreues Abbild der Brücken, noch möchte er ihre Erscheinung in rein abstrakte Formen auflösen. Sein Ziel ist es, das Wesen der einzelnen Brücken einzufangen. So zeigt er die spezifische Gestalt der »Alsterbrücke« in raucherfüllter Atmosphäre, die besondere Architektur der »Freihafenbrücke« in einem fein herausgearbeiteten Spiel von Licht und Schatten und die »Hochbahnbrücke« in einer klaren Bildsprache, die der Eisenträgerkonstruktion der Brücke entspricht.
Bei der Herstellung dieser Grafikfolge beschreitet Nesch neue Wege. Er nutzt erstmals gezielt das Verfahren des Metalldrucks, das er in seiner Dresdener Zeit zufällig entwickelt hat. Hierdurch gelingt es ihm, die Grenze zwischen Hoch- und Tiefdruck aufzuheben.
Es ist Ernst Ludwig Kirchner, der Nesch 1924 mit den gängigen Drucktechniken vertraut macht. Doch auch die Holzschnitttechnik Edvard Munchs inspiriert ihn bei der Entwicklung seines neuartigen Druckverfahrens. Im Rückblick erfolgt der Übergang vom expressionistischen Frühwerk zum abstrakteren Spätwerk, das ab 1933 in Norwegen entsteht, während Neschs Zeit in Hamburg. In den Arbeiten dieser Jahre (1929–1932) lässt er sich insbesondere in dem Zyklus »Hamburger Brücken« fassen.
Werkdaten
- Inventarnummer: V-0245
- Material / Technik: Colored metal print on paper
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Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart